Wenn der unabhängige Abfüller Rum Nation den Titel „Supreme Lord“ verleiht, dann ist das kein Marketing-Gag, sondern eine qualitative Ansage. Hinter diesem aristokratischen Namen verbirgt sich ein streng limitiertes Small Batch aus der jamaikanischen Kult-Destillerie Long Pond. Stolze 26 Jahre durfte das Destillat reifen, bevor es schließlich in Großbritannien auf die Flaschen gezogen wurde. Es ist eine Verbeugung vor einer vergangenen Epoche – und es ist schlichtweg bedauerlich, dass solche charakterstarken Monumente heute kaum noch auf dem Markt zu finden oder schlicht unbezahlbar geworden sind.
Jamaika für Fortgeschrittene: Eleganz statt Ester-Vorschlaghammer
Wer bei 26 Jahren Jamaika-Rum mit einer holzüberladenen Ester-Bombe rechnet, die den Gaumen betäubt, wird hier angenehm überrascht. Der Supreme Lord zeigt, dass Alter auch mit maximaler Contenance einhergehen kann. Im Glas präsentiert er sich tief gereift und ungemein elegant, bewahrt sich aber trotz des viertelhundertjährigen Holzkontakts eine faszinierende, relative Frische.
Das Profil ist ein Fest für Puristen: Kompakt, trocken und vielschichtig. Eine feine Würze verbindet sich mit nussigen und subtil grasigen Nuancen, während im Hintergrund reife Ananas, spritzige Orange und bittere dunkle Schokolade den Ton angeben. Das Holz agiert dabei wie ein Maßanzug – präsent, perfekt integriert, aber niemals erdrückend. Das ist die feine, aristokratische Seite Jamaikas: Tiefgründig, reif und meisterhaft balanciert, ganz ohne die typische, brachiale Ester-Wucht. Ein wahrer Lord im Glas.
