17 Jahre Jamaika: Wenn Ester auf absolute Eleganz treffen
Die Kombination aus Jamaika und einer 17-jährigen Reifung hat in der Rum-Welt historischen Seltenheitswert. Spätestens seit 1944 umweht diese Zahl ein legendärer Mythos: Damals nutzte kein Geringerer als Trader Vic einen 17-jährigen J. Wray & Nephew, um den Ur-Mai-Tai der Barkultur zu erschaffen.
Mit stattlichen 53 % Alkoholvolumen abgefüllt, präsentiert sich dieser Jamaikaner als absolute Naturgewalt im Glas. Er ist wuchtig und intensiv, vergisst dabei aber nie die guten Manieren – statt schwer und erdrückend zu wirken, kommt er elegant und extrem animierend daher. Das eigentliche Kunststück: Trotz der stolzen Prozente sucht man eine sprittige Schärfe vergeblich. Ein Paradebeispiel dafür, dass Alkohol kein Feind sein muss, solange Destillation und Fass-Balancierung handwerkliche Perfektion erreichen.
Jamaika pur: Jenseits der Holz-Zensur
Natürlich hat jede Destillerie auf der Insel ihre eigene Handschrift. Klassiker wie Appleton oder die lang gereiften Coruba-Abfüllungen zeigen unmissverständlich das typische Gesicht der Insel – allerdings oft von der holzintensiven, dunkel-kräftigen Seite.
Bei dieser Abfüllung verhält es sich anders: Das ist Jamaika im absoluten Purzustand. Das Holz drängt sich hier nicht in den Vordergrund, sondern agiert als dezenter Background-Sänger, um den eigentlichen Hauptdarstellern die ganz große Bühne zu überlassen. Und diese Performance hat es in sich: Kraftvolle High-Ester-Noten paaren sich mit feiner Vanille, dunkler Schokolade, würzigem Tabak und der konzentrierten Frucht von Dörrmarillen. Ein Rum, der nicht gefallen will, sondern begeistert.
